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Maddrax Leseprobe - Band 161 "Der Kristallschlüssel"
Du fliegst über die Welt, die einst so fern war, nur ein Traum. Sie ist ganz
anders, als du sie dir je vorgestellt hast. Vulkane, so groß wie Gebirge,
Schluchten, so tief wie der Ozean, Krater, so weit wie das Land. Und da sind
Meere, wo vorher trockene Einöde oder gefrorenes Eis waren. Und der Große Wald,
mit kleineren Ablegern Richtung Nordpol. Dazwischen die glitzerweißen Städte.
Blüten und Blättern gleich ranken sich Plattformen, Kuppeln und Terrassen um die
Stiele der Spindeltürme, durch Bögen und Brücken verbunden.
Eine ferne Welt, die nun so nah ist, und du bewegst glücklich deine Schwingen
auf diesem Flug...
Doch dann verzerrt sich das schöne Bild, und du siehst eine Sonne explodieren.
Ihr Blut ergießt sich über die Welt, verklebt deine Federn, und du stürzt...
Matthew Drax fuhr hoch und griff sich an den Hals. Die Atemnot löste Panik in
ihm aus, seine Hände griffen fahrig zur Seite, suchten nach der Maske, fanden
nichts. Keuchend rang er nach Luft, schlug verzweifelt um sich, stürzte aus dem
Bett und schlug auf dem Boden auf, wo er wie ein Fisch auf dem Trockenen
zappelte und um Sauerstoff kämpfte. Seine Brust schnürte sich immer enger
zusammen, weiße Sterne tanzten durch die Dunkelheit vor seinen Augen, ein
glühender Hammer dröhnte gegen seine Schädeldecke. Er wollte schreien, aber er
brachte keinen Ton mehr hervor. Stöhnend drehte er sich auf die Seite, fiel auf
den Rücken. Seine Hände griffen ziellos in die Luft, verfingen sich in
irgendwelchen Schnüren, rissen Gegenstände herunter, die auf ihn
niederprasselten, doch er bemerkte es nicht mehr, denn jetzt wurde es auch in
seinem Verstand dunkel...
Matthew Drax fuhr hoch und starrte blind in die Dunkelheit. Das Herz schlug ihm
bis zum Hals, sein Puls raste. Er spürte, wie ihm der Schweiß von der Stirn den
Hals entlang über die Brust hinab lief. In seinen Ohren dröhnte immer noch das
Geräusch der Explosion, und er sah eine schwarze Rauchwolke, aus der Flammen
hervorzüngelten. Maschinenteile flogen in alle Richtungen davon, die schweren
polterten in roten Sand, rollten ein Stück weit und blieben liegen, die leichten
machten sich scheinbar auf den Weg zum Orbit und legten weite Strecken zurück,
bevor die Anziehungskraft auch sie zu Boden zwang.
Es muss aufhören, dachte er, eines Tages muss es aufhören...
Er versuchte tief durchzuatmen, sich zu beruhigen, um nicht zu hyperventilieren.
Doch das Hämmern in seinem Kopf wurde immer schlimmer, in seinen Ohren pfiff und
rauschte es. Matt spürte ein Ziehen im rechten Arm, und einen heftigen Druck auf
der Brust, der ihm das Atmen erschwerte. Er versuchte nicht in Panik zu geraten
und begann eine meditative Übung, das furchtbare Herzrasen ignorierend.
Dann war ihm, als ob irgendetwas in ihm platzte, in seinem Kopf oder in der
Brust, oder in beidem. Er spürte, dass etwas auslief in ihm, seinen Körper
überspülte wie ein Tsunami, unaufhaltsam, und alles in sich ertränkte. Er stieß
ein gurgelndes Geräusch aus, als er um Hilfe rufen wollte, und spürte, wie er
sich immer weiter auflöste. Er ertrank innerlich...
"Wachen Sie auf!"
Eine laute, eindringliche Stimme in der Dunkelheit. Dann plötzlich grelles
Licht, selbst durch die geschlossenen Lider schmerzhaft stechend. Jemand
schüttelte ihn an der Schulter, schlug ihm ins Gesicht, und dieselbe Stimme
brüllte ihn jetzt an:
"Maddrax! Kommen Sie endlich zu sich!"
Matthew Drax fuhr abrupt hoch. Beinahe hätte er mit seiner heftigen Armbewegung
Chandra Tsuyoshi von der Bettkante gefegt, die ihn immer noch hielt und
schüttelte. Sie wich gerade noch rechtzeitig aus, bevor er ihr Kinn mit seinem
Kopf rammte, und sprang auf.
Heftig atmend blickten sie sich an, mit mehr oder minder wildem Blick.
Dann wurden Matts Augen endlich klar, seine angespannte Haltung löste sich, und
er sank in sich zusammen. Mit einer erschöpften Geste fuhr er sich durch das vom
Schweiß verdunkelte blonde Haar und rieb sich dann das Gesicht. "Bin ich jetzt
wach?", flüsterte er.
"Ich will es hoffen!", schnappte Chandra.
Matt lehnte sich zurück. Auch seine nackte Brust war schweißnass, sein Atem ging
immer noch beschleunigt. "Tut mir Leid, ich bringe Sie schon wieder um Ihre
Nachtruhe...", seufzte er.
"Allmählich bin ich dran gewöhnt!", erwiderte sie schroff. "Inzwischen bin ich
nicht nur Aufpasser, sondern auch Kindermädchen, wie es scheint, und
Dienstmaschine, und was sonst noch alles." Vor sich hinmurmelnd, verschwand sie
aus dem Zimmer.